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Die Geschichte des Weinfestes

Traiskirchner Hauptplatz
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Traiskirchner Hauptplatz

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Freitag, 16. Juni 2017

Die Geschichte der Traiskirchner Weinfestes

Die Traiskirchner Weinfeste haben eine jahrzehntelange Tradition. Sie in einer einzigen Statistik zusammenzufassen ist schwer, denn es ist eine Frage der Definition, ob dieses oder jenes Fest mit einer Weinkost

bzw. mit einer Weinausschank als Veranstaltung nach der heutigen Ansicht mitgezählt werden kann oder nicht.

Es ist also eine Frage der Konvention, dass mit der Zählung dieser Fest erst im Jahre 1970 begonnen wurde, und somit im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Weinbauvereins das 20. Weinfest im Jahr 1989 als Jubiläum mitgefeiert werden konnte.

Veranstaltungen solcher Art wurden nicht von heute auf morgen erfunden. Die Art und Weise sowie der Ablauf von Großfesten oder Großheurigen, wie sie in den umliegenden Weinorten auch genannt werden, haben eine lange Entwicklungszeit hinter sich.

In der Folge sollen die wichtigsten Entwicklungsstufen aller vom Weinbauverein in der Vergangenheit organisierten Feste, die auch als Vorläufer der heute stattfindenden Weinfeste verstanden werden können, zusammengefasst und aufgezeigt werden.

Die nun über 100-jährige Tradition der Weinfeste wurde im Jahr 1905 mit einer „Weinkost-Ausstellung“ und einem Winzerball gleichsam gegründet. Anlässlich des 60-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1908 fand bereits im Stadtpark !!! (siehe Foto) eine „Jubiläums-Weinkost“ statt. Nach einer durch den Ersten Weltkrieg bedingten Unterbrechung setzten sich dann die Aktivitäten des Weinbauvereins mit einer im Jahr 1922 in Traiskirchen durchgeführten Weinkost fort. Der Besuch war gut, die Konsumation zufriedenstellend. Zugleich wurden auch die besten ausgestellten Weine prämiert.

Das Jahr 1926 bot wieder eine Fülle von Veranstaltungen: Weinausschank bei der Wiener Frühjahrs- und bei der Herbstmesse. Beteiligungen an der sogenannten „Fremdenverkehrswoche“ im Mai des Jahres in Wien, Weinausschank bei einem Fest des Traiskirchner „Verschönerungsvereins“ im heutigen Stadtpark und schließlich eine Weinpräsentation für Interessenten aus der Hotellerie.

Vor dem Zweiten Weltkrieg ist dann nur mehr eine Weinkost, nämlich die vom Jahre 1936 im Wiener Prater, zu vermerken.

Das Weinfest nach 1945

Die Reihe der Veranstaltungen nach dem Zweiten Weltkrieg begann im Jahr 1950 mit einer „Bezirks-Weinkost“ in Leesdorf, an der sich auch Traiskirchner Hauer beteiligten.

Im Rahmen einer bezirksweit angelegten Werbeaktion für den Wein fand im Jahr 1954 auch in Traiskirchen das „Fest der Traube“ statt. Obmann Johann Alphart war damals für die gut gelungene Veranstaltung, an der sogar Landwirtschaftsminister Thoma teilnahm, verantwortlich. Eine Woche lang stand auf dem Hauptplatz eine Trauben- und Mostverkaufshütte, an der sich die Bevölkerung und die Gäste gütlich tun konnten. Im Rathauskeller boten die Hauer eine Weinkost an. Dieses Fest der Traube wurde im Jahr darauf abermals in der bewährten Art durchgeführt.

Das erste Weinfest

Das erste Weinfest, ähnlich dem heutigen Begriffen, folgte dann im Jahr 1956. In einer wochenlangen Vorbereitungszeit adaptierten die Weinhauer das alte Stallgebäude im ehemaligen „Ida-Hof“. Mehr als 1500 ! Sitzplätze wurden angeboten, und an die 30 Weinhauerstöchter kredenzten den „Traiskirchner“. Eine Weinkost mit rund 100 verschiedenen Proben krönte dann mit entsprechendem Publikumserfolg dieses Fest.

1957 und 1958 wiederholte man wieder im Ida-Hof ein Weinfest in der Art des Vorjahres. In den Jahren 1960 und 1951 musste man wegen baulicher Veränderung im Ida-Hof einen anderen Platz zur Abhaltung des Weinfestes suchen. So wich man auf folgende Objekte aus: In einem neben der Platzkirche ausgestellten Zelt spielte Musik, in den Häusern Ing. Josef Ferschner, Martin Nachtelberger und Josef Schieler (heute die Hausnummern Hauptplatz 2,3,4) wurde Wein ausgeschenkt und darüber hinaus auch eine Weinkost durchgeführt. Im Jahr 1960 sammelte die Hauerschaft aus ihren Reihen Wein für die Ausschank auf diesem Fest. Der Verkaufserlös in der Höhe von 40.000 Schilling wurde für die Renovierung der Stadtpfarrkirche gespendet.

Für die folgenden Jahre 1962 und 1963 musste wieder ein anderer Ort zur Unterbringung eines ähnlichen Festes gewählt werden. Es fand sich diesmal die Möglichkeit, in einem Stadtpark eingerichteten Zelt Wein auszuschenken. Mehr als 1000 Gäste fanden in dem riesengroßen Zelt Platz, um aus dem Angebot von 120 der besten Weine aus Traiskirchen zu wählen. Diese Feste waren große Erfolge; sie dauerten jeweils eine Woche. Am Montag nach dem letzten Tag der Ausschank bzw. Kost wurden dann die Mitarbeiter an dieser Veranstaltung zu einem „Restelverzehr“ eingeladen. Zuerst kamen wenige, dann bis zu 60 und mehr „ Helfer“. Aus diesem Montagsbrauch entstand die Tradition, die Weinfeste überhaupt gleich bis einschließlich Montag dauern zu lassen.

Weinpräsentationen

Einige Jahre fanden dann keine Weinfeste in der bisherigen Form und in der sich nun schon abzeichnenden Art und Weise statt. Der Weinbauverein blieb aber nicht untätig und machte immer wieder auf die Klasse der Traiskirchner Weine aufmerksam. Im Rahmen der von der Stadtgemeinde in den Jahren zwischen 1964 und 1967 im Kulturheim initiierten und unter dem Namen „Industrie-, Handels- und Weinbauausstellung Traiskirchen“ (auch die dazugehörende Abkürzung „IWAT“ dürfte hie und da noch bekannt sein) und „Handels-, Gewerbe- und Industrieausstellung“ durchgeführten Veranstaltungen fanden Weinpräsentationen und Kostvergleiche mit Prämierungen statt. Dazwischen konnte man im Jahr 1965 wieder ein Weinfest im Stadtpark organisieren. Eine Stefani- bzw. Neujahrsweinkost“ an der Jahreswende 1967/68 rundete sodann das öffentliche Auftreten der Traiskirchner Hauer mit ihren Weine vorerst ab.

Ab 1970 begannen die Weinfeste in der heutigen Form

Wie eingangs erwähnt, begannen dann erst im Jahr 1970 die Weinfeste in der heutigen Form. Mit den bisherigen jahrelangen Erfahrungen in der Platzwahl, in der Einteilung der Zeit und in der möglichen Mitwirkung der Weinhauer selbst, waren nun die besten Voraussetzungen zur Durchführung solcher Veranstaltungen vollauf gegeben.

Die Stadtgemeinde stellte dazu im Stadtpark rund um den ehemaligen „Eislaufplatz“ so viel Raum zur Verfügung, dass neun Weinhauer ihre Produkte anbieten konnten. In alphabetischer Reihenfolge waren dies: Friedrich Eitler, Johann Glanner, Franz Hep, Rudolf Kautz, Johann Möstl, Ing. Ferdinand Schafler, Josef Schweiger, Georg Skrianz und Johann Stadlmann. Jeder Weinhauer besaß ein eingezäuntes Areal, auf dem die Ausschank in einer in einer ansprechenden und praktischen Verkaufshütte unterbracht war und auf der Rasenfläche genügen Tische und Sitzgelegenheiten zur Verfügung standen. Zusammengenommen konnten mehrere tausend Sitzplätze angeboten werden. Mitten auf dem asphaltierten Platz spielte die Musik. Rund um die Weinhauerkojen fanden noch die bei einem Weinfest unentbehrlichen Verkaufsstände, wie Grillstationen, Würstelbuden, Kaffeestand und ähnliche Platz.

Das Fest wurde ab nun und in der Folge jeweils am ersten Donnerstag im Juli eröffnet und dauerte bis zum übernächsten Montag, somit 12 Tage!

Eine Ausnahme musste im Jahre 1980 in Kauf genommen werden, da damals in der Umgebung die Maul- und Klauenseuche grassiert und das Fest aus diesem Grund auf die Zeit von 3. Bis 14. August verschoben werden musste. Das Weinfest in dieser Form war von Anfang an ein voller Erfolg, wobei selbstverständlich auch stets das Wetter mit ins Kalkül gezogen werden musste. Im Jahr 1986 boten 13 Weinhauer ihre Produkte an; rund 6000 Sitzplätze waren nunmehr vorhanden, und oft konnte man an dem einen oder anderen Tag keinen Platz mehr finden.

Rituale

Das „Ritual“ des Festes hat sich nun im Laufe der Jahre wie folgt ergeben: Die Ehrengäste nehmen vor dem Musikpodium auf den bereitgestellten Sesseln Platz, während der Festzug vom Hauptplatz aus zum Stadtpark marschiert. (in den letzten Jahren wurde nur mehr in den Park eingezogen) Voran die Stadtkapelle Traiskirchen, gefolgt von den Jungwinzern und den Funktionären des Vereins mit der Winzerkönigin oder einer ihrer Vertreterinnen. Es folgte die Begrüßung der Prominenten aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Hier auch nur einen Namen anzuführen, wäre ungerecht, so viele Persönlichkeiten können hier gar nicht lückenlos erfasst, geschweige denn genannt werden.